Gefährdung der Spandauer wird in Kauf genommen

Im Ausschuss für Gesundheit wurde am 09.04.2012 auch wieder das Thema WLAN an öffentlichen Plätzen in Spandau (Drucksache – 0089/XIX) besprochen, ein Antrag hinter dem die PIRATEN und die CDU stehen.

Die GAL hatte in der vorigen Ausschuss-Sitzung eine Studie vorgelegt, darüber sollte dieses mal gesprochen und über den Antrag dann entschieden werden.

Die PIRATEN haben die Studie durchgearbeitet. Die Studie geht unter anderem auf die Strahlungswerte von Mobilfunk und WLAN ein und besagt, dass handelsübliche Mobilfunk-Handys bis zu mehr als 4000mal stärkere Strahlung verursachen, als WLAN-Zugangspunkte.

Die Strahlenbelastung für die Bevölkerung könnte also durch verfügbare WLAN-Zugangspunkte dramatisch gesenkt werden. Wenn ein Handy keine Daten über das Mobilfunk-Netz transferieren muss, sondern nur „auf Empfang“ ist, sinkt die Strahlenbelastung deutlich.

Die stärkere Belastung der Bevölkerung durch die Verwendung von Mobilfunknetzen anstelle von WLAN-Zugängen wurde den Ausschussmitglieder von SPD und GAL mehrfach, deutlich und in unterschiedlichen Worten mitgeteilt. Ausschussmitglied Sieglinde Müller (GAL) bestätigte dies sogar, was protokollarisch erfasst wurde.

Dennoch liess sich die Zählgemeinschaft aus GAL und SPD von ihrer offenbar seit längerem feststehenden Meinung nicht abbringen oder gar durch Fakten verwirren und sprach für den Antrag einstimmig eine Ablehnung aus.

„Ich habe wirklich alles versucht und in einfachen Worten dargelegt, warum durch WLAN-Zugänge die Strahlungsbelastung der Bevölkerung gesenkt werden kann, leider scheint die Zählgemeinschaft daran kein Interesse zu haben.“, erklärt Emilio Paolini, der Fraktionsvorsitzende der Piraten.

Beim vorliegenden Sachstand drängt sich der Verdacht auf, dass entsprechend dem inzwischen zum Unwort verkommenen „Mentalitätswechsel“ durch die Zählgemeinschaft Anträge vor allem dann abgelehnt werden, wenn sie von der CDU kommen.

Interessant auch, wie die Spandauer SPD gegen die vereinbarten Ziele der aktuellen großen Koalition handelt, hier mal ein Auszug aus der Koalitionsvereinbarung mit der CDU auf Landesebene:

Das Ziel der Koalition ist die Stärkung der Digitalisierung des Landes Berlin. Dazu werden wir mit privaten Partnern den Ausbau des Glasfasernetzes in Berlin vorantreiben. Zugleich wollen wir ein freies und gebührenfreies WLAN an zentralen Orten der Stadt starten. Um die Ausweitung von bereits bestehenden oder individuellen WLANs in der Stadt zu ermöglichen, werden wir uns auf Bundesebene für eine Änderung der Betreiberhaftung einsetzen.

Wobei sich natürlich die Frage stellt, wie ernst die Koalition ihren eigenen Vertrag nimmt oder ob solche Passagen eher „Hilfe-die-Piraten-kommen“-Reaktionen darstellen.

Emilio Paolini

3 Responses to “Gefährdung der Spandauer wird in Kauf genommen”

  1. Weiß sagt:

    Tja, es geht halt um Macht und nicht um Sinnhaftigkeit.

  2. Zum Mobilfunknetz – GSM 0,9 und 1,8 GHz, UMTS 2,1 GHz und bald auch LTE 1,8 GHz und 2,6 GHz wollt ihr auch noch permanente Befeldung durch WLAN 2,4 GHz ???

    WLAN und DECT 1,9 GHz hat zudem fast jeder Zuhause. Die Mobilfunkunternehmen lassen sich doch auch ihr Geschäft nicht kaputt machen…

    Die Strahlenbelastung für den Anwender mag evtl. sinken, aber in der Summe steigt dann doch wohl die Strahlenbelastung durch gepulste elektromagnetische Felder – ein netter Cocktail.

    Vielleicht mal eine Studie des U.S. Militärs lesen, was so passiert nach 25 Monaten Bestrahlung durch 2,4 GHz

    Chou, C-K, AW Guy, LL Kunz, RB Johnson, JJ Crowley, and JH Krupp. 1992.
    Long-term, low-level microwaver irradiation of rats. Bioelectromagnetic 13:469-
    596. http://www.magdahavas.com/wordpress/wp-content/uploads/2010/09/Chou-
    CK-et-al.-Long-term-MW-rad-of-Rats-1992.pdf

    http://www.facebook.com/Mobilfunk.und.Gesundheit

    • admin sagt:

      Genau, die Strahlenbelastung für den Bürger sinkt durch die vermehrte Benutzung von weniger strahlenden Technologien und die verringerte Benutzung von stark strahlenden Technologien.

      LG Emu

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